Analyse der Arbeitsmarktsituation in Nürnberg

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Antragsteller(in): Sebastian Brehm

Datum: 23.01.2013

Antrag:

In einer Expertenanhörung im Stadtrat mit Beteiligung der Bundesagentur für Arbeit, der Arbeitgeber- wie der Arbeitnehmerseite, der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer wird die Situation des Arbeitsmarkt es beraten. Dabei werden u.a. berücksichtigt

- die Arbeitslosigkeit Nürnbergs im Vergleich zu an deren deutschen Großstädten, auch unter Berücksichtigung des Strukturwandels und der Langzeitsarbeitslosigkeit.

- Bedeutung und Anzahl der Minijobs und Leiharbeitsverhältnisse in Nürnberg im Vergleich mit anderen deutschen Großstädten.

- ein Vergleich der Arbeit des Jobcenters Nürnberg mit den Jobcentern anderer deutscher Großstädte unter Berücksichtigung von Zahlen, Maßnahmen (insbesondere zur Qualifizierung und Mobilisierung) und der Ergebnisse.

Begründung:

Nürnberg hat sich von einem klassischen Produktionsstandort zu einem High Tech-, Industrie- und modernen Dienstleistungsstandort gewandelt.

Dieser Strukturwandel, der noch nicht abgeschlossen ist, wurde bislang erfolgreich bewältigt – dank richtiger Wirtschaftspolitik, die auf Innovation setzt.

Während im Zuge des Strukturwandels viele Arbeitsplätze wegfielen, sind zahlreiche neue Arbeitsplätze entstanden. Infolge des Strukturwandels ist Nürnberg heute hinsichtlich der Branchen und Betriebsgrößen breiter und vielfältiger aufgestellt als früher. Die Anzahl der wissensintensiven, qualifizierten Arbeitsplätze nimmt zu. Dabei ist zu berücksichtigen:

- Zwar hat Nürnberg mit derzeit ca. 7,6 % die höchste Arbeitslosenquote in Bayern (landesweit ca. 3,5 %). Zieht man jedoch einen bundesweiten Vergleich der Großstädte, ergibt sich ein anderes Bild: Von den 20 größten Städten in Deutschland hat Nürnberg die viertniedrigste Arbeitslosenquote (nach München, Stuttgart und Frankfurt a.M.).

Im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland im Strukturwandel steht Nürnberg gut da. Der Nürnberger Arbeitsmarkt hat sich auch bei erheblichen Ereignissen, wie zuletzt der Quelle-Insolvenz im Jahre 2009, als viele Menschen gleichsam über Nacht ihren Arbeitsplatz verloren, als sehr robust erwiesen. Viele der ehemaligen Quelle-Beschäftigten konnten zügig neue Arbeitsplätze finden.

- Auch wenn die sehr niedrige Arbeitslosigkeit in Bayern Ansporn für Nürnberg sein muss, so ist der Vergleich mit anderen Städten und Regionen Bayerns aufgrund unterschiedlicher struktureller Voraussetzungen nicht immer aussagekräftig.

In Teilen des ländlichen Raums in Bayern sind u.a. sinkende Bevölkerungszahlen infolge Abwanderung in die Ballungsräume, aber auch der demographische Wandel mit ursächlich für sinkende Arbeitslosenzahlen. Bei den niedrigeren Arbeitslosenzahlen im Umland Nürnbergs müssen auch die Pendlerzahlen berücksichtigt werden. Viele Menschen aus dem Umland pendeln zum Arbeiten nach Nürnberg ein. Damit befinden sich zahlreiche Arbeitsplätze für Menschen aus dem Umland in Nürnberg.

- Die Arbeitslosigkeit ist auf dem niedrigsten Stand seit 18 Jahren. Auch die Beschäftigungssituation in Nürnberg hat ein Hoch seit über 15 Jahren erreicht - derzeit sind über 270.000 Menschen in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung und dies bei steigender Bevölkerungszahl.

- Geringfügige Beschäftigung (sog. Minijobs oder 40 0 € bzw. 450 €-Jobs), Teilzeit- und Leiharbeitsverhältnisse sind kein zwingendes Indiz für eine prekäre Situation der Betroffenen.

Sowohl Minijobs als auch Leiharbeit ermöglichen es vielen Arbeitslosen, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Der Zeitarbeitsmark t ist auf einem hohen Schutzniveau geregelt. Gerade in Nürnberg sind viel e seriöse Personaldienstleister tätig. Minijobs, Teilzeit- und Leiharbeitsverhältnisse müssen daher vorurteilsfrei betrachtet werden.

- Eine Herausforderung für Nürnberg bleibt die Langzeitarbeitslosigkeit. Auch hier ist jedoch eine vergleichende Betrachtung mit anderen Großstädten in Deutschland erforderlich. Um richtige und passgenaue Maßnahmen zur weiteren Senkung der Arbeitslosigkeit und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze zu treffen, ist eine sachgerechte Analyse der Situation und ihrer Ursachen erforderlich. Wichtig ist dabei insbesondere ein Vergleich der Arbeit des Jobcenters Nürnberg mit den Jobcentern anderer Großstädte.