Industrie 4.0

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Antragsteller(in): Thomas Pirner

Datum: 20.10.2014

 

Antrag:

Die Verwaltung erarbeitet eine Industrie 4.0-Strategie für Nürnberg, damit die Chancen von Industrie 4.0 optimal genutzt werden können. Ausgangspunkt ist eine Untersuchung der Auswirkung von Industrie 4.0 auf die Wertschöpfungskette in wichtigen Wirtschaftsbranchen in Nürnberg.

Hierauf aufbauend sollen dann Maßnahmen erarbeitet werden, damit sich Nürnberg für Industrie 4.0 optimal positionieren kann. Hierzu gehört u.a. eine Vernetzung der Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft in einem industriepolitischen Dialog.

Ferner soll dargelegt werden, wie die Möglichkeiten für Start-Up-Unternehmen im IT-Bereich und Spin Offs aus wissenschaftlichen Einrichtungen verbessert werden können, z.B. durch weitere Gründerzentren, neue Netzwerke, etc.

Begründung:

Die zunehmen Digitalisierung befördert neue Produktionsabläufe, Wertschöpfungsketten, Organisations-, Vermarktungs- und Logistikstrukturen sowie Produkte und Dienstleistungen. Sie bietet auch neue Innovations- und Wachstumschancen für die produzierende Wirtschaft.

Die Digitalisierung ist der Auslöser einer sog. Vierten Industriellen Revolution („Industrie 4.0") geworden. „Industrie 4.0“ bezeichnet den Einsatz von Informations- und Kommunikations-technologien und die fortschreitende digitale Vernetzung der Produktion sowie der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen. So erleichtert der Einsatz der IT Produktionsabläufe und -prozesse, bietet neue Möglichkeiten der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine, Produktion und Logistik aber auch zwischen Unternehmen und Kunden. Ziel ist u.a. die intelligente Fabrik („Smart Factory“), die sich durch Wandlungsfähigkeit, Ressourceneffizienz und Ergonomie sowie die Integration von Kunden und Geschäftspartnern in Geschäfts- und Wertschöpfungsprozesse auszeichnet. Dabei spielen Internet-basierte Lösungen eine wichtige Rolle, so dass es bei „Industrie 4.0“ auch um die Verknüpfung der realen Welt der Produktion mit der virtuellen Welt des Internet zu einem „Internet der Dinge“ geht (wichtiges Beispiel: 3D-Drucker).

Gerade für Nürnberg in seinem Wandel von einem klassischen Produktions- zu einem High Tech-, Industrie- und modernen Dienstleistungsstandort bietet „Industrie 4.0“ besondere Chancen. Denn Nürnberg hat sowohl - im Vergleich zu anderen Wirtschaftsstandorten - einen überdurchschnittlich starken produzierenden Sektor, als auch eine starke IKT-Branche (Informations- und Kommunikationstechnologie). So sind in Nürnberg knapp 10 % der Beschäftigten in der IKT-Branche tätig. Unter den 20 größten deutschen Städten teilt sich dabei Nürnberg mit München die Spitzenplätze.

Neben der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm und der Technischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg kommen wichtige Forschungseinrichtungen wie das ESI-Anwendungszentrum (Embedded Systems), das Test- und Anwendungszentrum L.I.N.K. (Lokalisierungstechnologien, Identifikation, Navigation und eingebettete Kommunikation) von Fraunhofer IIS oder das - im Zuge der Nordbayerninitiative der Bayerischen Staatsregierung finanzierte - Zentrum für digitalisierte Produktion, das sich in besonderer Weise den Herausforderungen von „Industrie 4.0“ stellt, sowie der Energie Campus Nürnberg, der Nuremberg Campus of Technology.

Die Ansiedlung großer Teile der technischen Fakultät der Universität Erlangen Nürnberg auf das ehemalige AEG-Areal wird Nürnberg einen weiteren Schub als High-Tech-Standort verleihen.

Hinzu kommen Cluster wie die Nürnberger Initiative für die Kommunikationswirtschaft NIK e.V. und die Open Source Business Foundation e.V. (OSBF).

Das neue IT-Gründer- und Innovationszentrum unterstützt Start-Up-Unternehmen aus dem IT-Bereich bei ihren ersten Schritten. Nürnberg ist zudem ein bedeutender Standort für IT-Sicherheit. Hier findet die it-sa, die führende Messe zur IT-Sicherheit statt. Unsere Stadt hat daher die besten Voraussetzungen zum Gewinner im Zeitalter Industrie 4.0 zu werden. Die Chancen gilt es optimal zu nutzen.

Industrie 4.0 wird Auswirkungen auf alle technischen und techniknahen Wirtschaftszweige haben und viele Geschäftsmodelle verändern. Daher gilt es, für Nürnberg eine Industrie 4.0-Strategie zu erarbeiten. Grundlage soll eine Untersuchung über die Auswirkungen von Industrie 4.0 auf wichtige Sektoren in Nürnberg und deren Wertschöpfungsketten sein. Hieraus sollen dann Maßnahmen abgeleitet werden, um den Herausforderungen zu begegnen. Dabei müssen die verschiedenen Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft im Hinblick auf Industrie 4.0 in einem industriepolitischen Dialog vernetzt werden.