Qualität der Kindertagesstätten

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Antragsteller(in): Prof. Dr.Wilfram Scheurlen

Datum: 01.12.2014

 

Antrag:

Die Verwaltung berichtet über die aktuelle Betreuungsqualität in den Nürnberger
Krippen (kommunale Einrichtungen und freie Träger).

Von besonderem Interesse sind dabei folgende Fragen:

Wie hoch ist die Fachkraft-Kind-Relation (Arbeitszeit für unmittelbare pädagogische
Arbeit in Relation zur vertraglich vereinbarten Betreuungszeit) im Vergleich zu
den allgemeinen Empfehlungen?

Welche Strategien entwickelt die Stadt, um dem erkennbaren Mangel an gerade in diesem kritischen Bereich qualifizierten Erziehungs- und Betreuungspersonal entgegen zu wirken und ggf. dem zusätzlichen Personalbedarf Rechnung zu tragen?

Gibt es eine regelmäßige nachhaltige Qualitätsüberprüfung und fortlaufende interne
sowie externe Evaluation in den KiTas?

Nimmt Nürnberg an dem in Bayern in der Pilotisierungsphase befindlichen Kompetenznetzwerk der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung der KiTas teil?

Begründung:

Die ersten drei Lebensjahre eines Kindes sind für Bindung und psychosoziale Entwicklung eines Menschen von kritischer Bedeutung. In diesem Sinne ist eine optimale, verlässliche und strukturierte Betreuung durch professionelle, gut ausgebildete Fachkräfte in Kinderkrippen von überragender Wichtigkeit, wenn sie eine Betreuung und Erziehung im häuslichen Umfeld ersetzen soll. Dieses Ziel sollte nicht unter ökonomischen Gesichtspunkten und überhastete Strukturentwicklungen verwässert werden.

Die am 10. November in Berlin im Bundestagsfachausschuss durchgeführte Anhörung hat allerdings gezeigt, dass nach Expertenmeinung die aktuelle pädagogische Qualität in Kindertageseinrichtungen und Tagespflegestellen in Deutschland eine zu große Varianz zeigt. In 80-90% ist sie von mittlerer bzw. unzureichender Qualität so dass der Verbesserung und Sicherung der Betreuungsqualität für Kinder in den ersten drei Lebensjahren eine höhere Priorität eingeräumt werden sollte. Insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund sowie Kinder, die familiären oder sonstigen Belastungen ausgesetzt sind, sind in besonderem Maße auf eine gute bis sehr gute Betreuungsqualität angewiesen, um Schäden in der weiteren Entwicklung zu vermeiden.

Ein adäquater Betreuungsschlüssel für die Kinder und systematische und kontinuierliche Qualitätsmessung und Qualitätsentwicklung in den Krippen sind unabdingbare Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, bevor wenig genutzte zeitliche Erweiterungskonzepte in einzelnen KiTas implementiert werden.