Straßenbenennungen nach Persönlichkeiten des lokalen Widerstands gegen das NS-Regime


Antragsteller: Klemens Gsell

Datum: 28.02.2019


Straßenbenennungen nach Persönlichkeiten des lokalen

Widerstands gegen das NS-Regime

Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ist immer aktuell. Viele aktuelle Parolen und Argumentationswege lehnen sich stark an die damalige Ideologie an. Auch die Verbrechen und Unmenschlichkeiten des NS-Regimes und der handelnden Personen damals werden stark relativiert. Umso mehr ist es notwendig, an jene mutigen Männer und Frauen zu erinnern, die sich seinerzeit der
NS-Diktatur in den Weg gestellt haben. Solche Vorbilder sollen heutigen Generationen Mut geben, klares Bekenntnis für Freiheit, Recht und Demokratie abzulegen.

Auch in Nürnberg hat es Aktivitäten gegen den nationalsozialistischen Terror gegeben. Umso nachdenklicher sollte stimmen, dass nur wenige Straßen und Plätze unserer Stadt an die Persönlichkeiten des lokalen Widerstands erinnern und dass die breite Streuung dieses Widerstands dabei nur in unzureichender Weise sichtbar wird. 

Wenn die Stadt der Menschenrechte neue Straßennamen z.B. im Modul I des Neubaugebiets des ehemaligen Südbahnhofs / Brunecker Str. vergibt, sollen diese Menschen, die sich gegen die nationalsozialistische Unterdrückung aufgelehnt und Widerstand geleistet haben, ihre angemessene Würdigung erfahren. Dieses Gebiet liegt in der Nähe der ehemaligen SS-Kaserne und des Reichsparteitagsgeländes, aber auch der künftigen neuen Technischen Universität Nürnberg, was eine gute Einbindung in die Erinnerungskultur der Stadt ermöglicht.

Begrüßenswert wäre es zudem, wenn weitere Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer berücksichtigt würden. Es gibt auch Belege für eine Reihe von entsprechenden mutigen Frauen, davon allein fünf in der Liste der Gerechten unter den Völkern der Internationalen Holocaustgedenkstätte Yad Vashem, die mit Nürnberg im Zusammenhang stehen.

Zu den jetzt vorgeschlagenen Persönlichkeiten (alphabetisch aufgelistet):

Ludwig Göhring (1910-1999)

Der 12. August 1933 war ein Wendepunkt im Leben des gerade 23-jährigen Ludwig Göhring. Es war für ihn der letzte Tag in Freiheit. Mehr als 11 Jahre verbrachte er in den Konzentrationslagern Dachau, Flossenbürg und Neuengamme. Sein Vergehen: Er druckte für den Widerstand die „Blätter der sozialistischen Freiheitsaktion“. Zunächst in einer Laube in der Gartenstadt. Weil es dort zu laut war, wurde die „Druckerei“ in eine Höhle in der Hersbrucker Schweiz verlegt. Ludwig Göhring wurde so bekannt als der „Höhlendrucker“.

Lorenz Hagen (1885-1965) 

Er blieb als Gewerkschafter aktiv, nachdem diese von den Nazis zerschlagen wurden. Aufgrund seines Widerstands im Betrieb wurde er mehrfach in die Konzentrationslager Dachau und Buchenwald verschleppt.

Alois Jung (1902-1971)

Alois Jung kam 1934 als Kaplan in die Kirchengemeinde St. Kunigund in Nürnberg. In seinen Predigten bezog er immer wieder Position gegen das Unrechtssystem der Nazis. Er wurde 1937 „wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz und wegen Kanzelmissbrauchs“ verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe von 2 Jahren und 8 Monaten verurteilt.

Oskar Pflaumer (1904-1933)

„In grausamster, qualvoller Weise zu Tode geprügelt“ - so lautete im August 1933 der Befund des diensthabenden Arztes, der die Leiche von Oskar Pflaumer obduzierte. Oskar Pflaumer gehörte als junger Arbeiter einer Gruppe an, die Flugblätter und Zeitungen gegen das Naziregime verteilten. Er wurde von Angehörigen der Nürnberger SA in der damaligen Samariterwache derart brutal gefoltert, dass er wenig später verstarb.

Friedrich von Praun (1888–1944)

Der aus Nürnberg stammende Jurist Friedrich v. Praun war entschiedener Gegner des Nationalsozialismus. Bereits im August 1932 warnte er vor der antichristlichen Stoßrichtung der NS-Bewegung. Er verweigerte den Hitlergruß, lehnte das angeordnete Hissen der Hakenkreuzfahne ab, und stand unter großem Druck in seiner Auseinandersetzung mit den „Deutschen Christen“. Er wurde im August 1943 denunziert, von der Gestapo verhaftet und ließ sein Leben am 19. April 1944 unter Folter im Gestapo-Gefängnis in Nürnberg.

Kunigunde Schumann (1919-1997)

Nach der Machtübertragung an die Nazis 1933 schloss sich Kuni Schumann einer Gruppe an, die im Untergrund eine Zeitung herstellte. Die Mitglieder der ersten Widerstandswelle wurden Mitte 1933 verhaftet. Kuni wurde „nur“ zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Sie hatte Glück, dass es noch keine Konzentrationslager für Frauen gab. Nach ihrer Entlassung aus der Haft gelang es ihr, sich erfolgreich bis zum Ende des Krieges versteckt zu halten.

Die Stadtratsfraktionen von CSU, SPD und BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN stellen zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden gemeinsamen

Antrag:

In einem der zeitnah geplanten Stadtviertel, z. B. im Neubaugebiet der Brunnecker Straße, werden Straßen oder Plätze nach folgenden Persönlichkeiten des lokalen Widerstands gegen den Faschismus benannt:

Ludwig Göhring

Lorenz Hagen

Alois Jung

Oskar Pflaumer

Friedrich von Praun

Kunigunde Schumann